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Martl (PROFANITY)

Den dritten Teil unseres Band-Features widmen wir der zweifellos bekanntesten Metalformation aus dem Augsburger Raum: PROFANITY sind seit mittlerweile gut 15 Jahren ein fester Begriff in der nationalen Death Metal-Szene und haben sich auf ihren zahlreichen Touren (u. a. mit CRYPTOPSY und HAEMORRHAGE) auch international Anerkennung erspielt. Bass-Wizzard Martl Bauer beantwortet im Folgenden bereitwillig unseren Fragenkatalog.

martl

01. Welche Idee steckt hinter der Band, wie würdet ihr euch stilistisch einsortieren?
Martl: Als der Tomml die Band 1993 gründete war die Idee, extreme Musik zu machen - extreme Musik ohne Grenzen und ohne Stillstand. Auch heute trifft dies noch zu. Ich möchte fast sagen jetzt mehr denn je, da wir mittlerweile auch mehr Möglichkeiten haben, unsere Idee von extremer Musik umzusetzen. Stilistisch einsortieren: Laut Schublade wäre es wohl technischer Deathmetal. Das ist ok, aber ich denke vor allem das neue Material ist noch viel mehr als das: Es ist extremer Metal, vielseitig und farbenfroh!

02. Gibt es einen kreativen Kopf innerhalb der Band, der das musikalische Konzept weitgehend vorgibt oder wird bei euch der demokratische Grundgedanke gelebt?
Martl: Demokratie ist nie verkehrt und gibt es auch bei uns. Allerdings ist der Tomml derjenige ,der ruhig als kreativer Kopf der Band angeführt werden kann. Es ist so, dass wir anderen drei natürlich unsere Ideen und Anregungen mit einfließen lassen. Dennoch überzeugen die musikalischen Ideen vom ihm so sehr,  dass wir da wirklich keine Notwendigkeit sehen aus Egogründen an tollen Songbausteinen etwas auszusetzen. Unterm Strich ist ein Lied dann fertig, wenn ein jeder von uns Vieren sein ehrliches "OK" drunter gibt. Mehr noch, es muss einem Jeden von uns wirklich gefallen.

03. Welche musikalischen Vorbilder hattet ihr bei Bandgründung, von welchen Bands lasst ihr euch heute inspirieren?
Martl: Ohmei ... Klar, Konsorten wie CANNIBAL CORPSE, SUFFOCATION, DEATH, CYNIC und die Palette der härteren Deathmetal Bands. Und wie schautz heute aus? Ich möcht mal sagen, dass es sich bei jedem einzelnen von uns vielleicht ein bissle anders verhält. Klar, wir mögen alle nach wie vor die echte Deathmetal-Keule, aber mittlerweile sind diese -denk ich - kein großer Einfluß mehr. Und wenn, dann unbewusst. Mir persönlich gefallen Bands, welche in ihrem Sound auch auf Abwechslung setzen, dazu gehören Atheist & Co.nach wie vor zu absoluten Könnern, meiner Meinung nach.

04. Wie lauten deine aktuellen drei Lieblingsscheiben?
Martl: Mhm Mhm Mhm ... die Fangfrage schlechthin, aber ok: OBITUARY "The end complete", ROGER WHITTAKER "Best Of-Doppel CD" (das MUSSTE kommen! - Anm. d. Verf.), MOTÖRHEAD "1916".

05. Welches Ereignis war aus Sicht der Band bis dato das Highlight?
Martl: Hui, ist schwer, denn es waren doch mehrere. Hmm ... die Konzerte in den USA waren sicherlich der Hammer, aber auch die Europatour mit CRYPTOPSY war over the top! Mei, im Grunde könnt ich jetzt so weitermachen und als Superangeber rüberkommen, haha - ich lass es mal bei den beiden, das waren wirklich ganz besondere Ereignisse, wovon man zu PROFANITYs Anfangszeiten nur träumte.

06. Könnt ihr mit dem Verhältnis aus eurem Engagement und dem, was an Resonanz dabei herauskommt, zufrieden sein oder hat das Publikum die Band noch nicht vollständig angenommen?
Martl: Wir sind sehr, sehr sehr zufrieden. Wie oben ja erwähnt, niemand von uns dachte in den Anfangstagen, dass wir mit der Band soviel erleben können. Das, was wir von Seiten der Freunde und Freaks erfahren, ist unbezahlbar. Als wir mal in den Niederlanden spielten kam ein naßgeschwitzer Freak auf uns zu und meinte: "I can feel the Deathmetal during your show!" - hey, was gibt es Schöneres als so etwas zu hören! Genauso die Reaktionen in der Schweiz, als wir mit den UUDays unterwegs waren ... Unbeschreiblich! Klar, unsere Musik ist schwer nachvollziehbar und bestimmt nicht jedermanns Sache, dessen sind wir uns bewusst. Aber wir machen Musik, die in erster Linie uns gefallen muss. Und wenn wir dann merken, wie die Leute vor der Bühne zum Ausrasten anfangen wissen wir, wir werden angenommen.

07. Welche Ziele verfolgt ihr mit eurer Band?
Martl: Hmm, im Grunde haben wir eigentlich schon alles erreicht, was für eine Band wie PROFANITY möglich ist. Wir wollen mit der neuen Scheibe musikalisch noch einen draufsetzen - im Grunde wissen wir, dass wir das auch schaffen werden, haha. Alles andere drumherum wird sich zeigen. Oberste Prio hat erstmal das neue Material.

08. Seht ihr innerhalb des Genres, in dem ihr euch bewegt, noch Weiterentwicklungspotenzial, oder ist die Idee dahinter weitgehend ausgereizt?
Martl: Kann man Ideen ausreizen? Ich glaube nicht! Zugegebn, die Werkzeuge, mit denen man arbeitet, können irgendwann mal nicht mehr getoppt werden. Aber das Kunstwerk, welches man damit erschaffen möchte, das ist doch immer wieder ein neues, wenn auch die Handschrift und der Stil erkennbar bleiben. Solange man einen kreativen Kopf aufhat, solange es Spaß macht kreativ zu sein, solange können Ideen nicht ausgereizt werden. Und wir sind -  bildlich gesprochen - wie eine Medusa, deren kreative Köpfe nicht ausgehen, haha.

09. Gibt es deiner Meinung nach eine regionale Metalszene im weiträumigen Einzugsgebiet von Augsburg oder handelt es sich dabei um autark operierende Bands?
Martl: Ja klar, und was für eine! Seit Jahren wächst und gedeiht die Szene und es macht Spaß, dies zu beobachten. Jetzt sind wir auch nicht mehr die Jüngsten, aber ohne jetzt altklug klingen zu wollen: So eine tolle Szene, wie es heute der Fall ist, gab es früher nicht! Auch dass viele unterschiedliche Stilrichtungen vertreten sind find ich megaklasse. Es ist schön, ein Teil dieser Szene sein zu dürfen, und egal ob auf Konzerten oder den einschlägigen Lokalitäten immer wieder Freaks anzutreffen wie man selber einer ist! Im übrigen möcht ich schon auch mal anmerken daß die Lechmetal-Initiative einen nicht geringen Anteil an dieser Szene hat (der Steuerprüfer wird ab jetzt EDCs Kontenbewegungen vermutlich mit Argusaugen verfolgen - Anm. d. Verf.).

10. Ein abschließendes Statement bitte!
Martl: Vielen Dank für diese Plattform, ist eine super Sache! Hoffentlich sehen die Augsburger und andere Leut, was sich hier im Lechmetalland alles rührt! Wir haben eine klasse Szene, und dies darf man nach außen auch ruhig zeigen. Und wenn wir Lechmetaller zusammenhalten, dann können wir noch viel reißen!

Danke Martl! Bist einfach a feiner Kerl & ein beinharter Metaller dazu. Von so viel Basisnähe könnte sich manch eine Möchtegern-Combo einen Ranken runterschneiden.

 

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