Interview mit SABATON
14.12.2009, Ortszeit: 19 Uhr. Das Essener Turock öffnet seine Pforten Heerscharen hungriger Headbanger.
Satte 18 Monate nach der Releaseparty ihres Art Of War-Albums, 18 Monate fast nonstop on Tour, fahren die Senkrechtstarter aus Schweden ein letztes Mal schweres Kriegsgerät auf die Bühne, ehe es zurück ins Studio zur Aufnahme des neuen Albums Coat Of Arms geht. Der Abend ist restlos ausverkauft ,das gemütliche Turock scheint fast aus allen Nähten zu platzen, und mittendrin zwei verwirrte Metalpresse-Redakteure, die versuchen, sich zur Band durchzuschlagen, um an schwedischen Weisheiten über Plattenlabels, Fans aus aller Welt und deutschem Bier teilzuhaben!
Nach einer knappen halben Stunde Durchfragen in den auf tropische Klimaverhältnisse aufgeheizten Hallen des beschaulichen Venues führt man uns in einen Keller und durch eine Stahltür mit der Aufschrift "Backstage", dahinter eine ungefähr 10m² große Abstellkammer mit einem Bierschrank, einem Tisch und 6 gut aufgelegten Schweden auf Campingstühlen. Über uns wummert schon der Bass der Grailknights durch die Decke, wärend Frontsau Joakim Brodén sich unseren Fragen stellt.
Danke, dass wir mit euch quatschen dürfen, wir hatten echt Probleme hierher zu kommen!
Joakim: Echt?
Wir wurden von Typ zu Typ geschickt, aber keiner wusste bescheid wo ihr seid. Ihr seid schwerer zu erreichen als der Papst!
Joakim: Wir haben erst grade rausgefunden, dass jemand für ein Interview vorbei kommt. Bierchen?
Also... ihr habt zu Nuclear Blast gewechselt...
Joakim: Genau!
Was steckt ihr für Hoffungen in den Deal und wird sich eure Musik in irgend einer Weise verändern?
Joakim: Nein, in dieser Richtung wird sich nichts ändern.
Gut zu wissen.
Joakim: Wir haben denen von Anfang an gesagt: Schlagt uns erst garnicht vor unsere Musik irgendwie zu ändern, ansonsten: Fuck off, wir sind weg. Aber die Leute von Nuclear Blast sind cool, und laut ihnen selber würden sie das nie tun und haben's auch noch nie gemacht.
Und was waren die Gründe für den Wechsel?
Joakim: Für den Wechsel? Hauptsächlich weil Fans, zum Beispiel aus Belgien und Deutschland unsere Alben bestellen und dann nicht geliefert bekommen. Oder am Releasetag versuchen die Special Edition vom neuen Album zu bestellen, dann drei Wochen warten und hinterher nur das Jewelcase bekommen. Das ist Bullshit. Wenn Leute unsere Musik mögen, dafür bezahlen, und dann nach drei Wochen Wartezeit nicht das bekommen, was sie bestellt haben, ist das ganz beschissen.
Ihr plant ein neues Album...
Joakim: Genau.
...und wie läuft's?
Joakim: Etwa sieben bis acht Songs sind von der ersten bis zur letzten Note fertig. Noch zwei oder drei mehr, dann sind wir fertig würde ich sagen. Noch etwa drei oder vier Songs sind halbfertig, die werden wir in Angriff nehmen sobald wir wieder zu Hause sind. Wir haben am 21. Dezember eine Art Studio-Soundcheck und am dritten Januar geht's ans eigentliche Aufnehmen.
Auf der Art of War waren die Keyboards sehr dominant und heavy – war das eher ein Experiment oder wollt ihr diesen Sound in Zukunft beibehalten?
Joakim: Peter Tätgren ist für diesen Sound verantwortlich.
Oh ja, Peter Tätgren, der auch für den Sound der Neuen Overkill-Scheibe verantwortlich ist!
Joakim: Genau, ich war bei ihm und wir haben zusammen das neue Sabaton-Album geplant als er grade an der "Ironbound" arbeitete.
Und was machen Er und seine Arbeit für einen Eindruck?
Joakim: Die Roughmix-Gitarre der Ironbound klang scheisse (lacht), aber er hat hart daran gearbeitet und ich bin überzeugt, dass es richtig geil klingen wird wenn's ferig ist.
Mit der neuen CD kommt auch eine neue Tour. Wo wollt ihr überall spielen und welchen Support versucht ihr zu bekommen? Persuader zum Beispiel?
Joakim: Persuader wären großartig! Echt, ich mag die wirklich, besonders Jens (Carlsson, v, Anmerkung d.R.), der auch bei Savage Circus singt. Welche Bands mitkommen ist noch nicht klar, es kommt auch immer darauf an, wer grade eine neue CD rausgebracht hat und wer überhaupt Zeit für eine Tour hat. Also gibts da leider noch keine neuen Infos, aber wir bringen die neue CD im Mai raus und dann spielen wir erstmal auf einem ganzen Haufen Festivals.
Eure Show auf dem RockHard Festival in Gelsenkirchen ist auch schon bestätigt.
Joakim: Genau, das wird lustig! Das ist doch garnicht so weit von hier, oder?
20 Minuten mit dem Auto.
Joakim: Nur 20 Minuten! Das ist ziemlich nahe – in Schweden nennen wir drei Stunden nahe! (lacht)
Die Aktion "Sabaton in Your Living-Room" – Worum geht's da genau?
Joakim: Das ist ein Wettberb vom Sweden Rock Magazine, und zu gewinnen gibt es einen Sabaton-Gig bei dir zu Hause, direkt in deinem Wohnzimmer.
Und wie denkt ihr darüber und freut ihr euch drauf?
Joakim: Klar, das ist geil und ausserdem unsere Idee gewesen!
Das war eure Idee?
Joakim: Klar! Unser Bassist hat sich mit Martin vom Sweden Rock Festival unterhalten, und der fragte ob wir was irgendwas abgefucktes machen wollen. Er meinte "habt ihr Bock im Wohnzimmer von irgend einem Typen zu spielen?" Wir fanden die Idee natürlich geil und meinten "Ja sicher, machen wir!"
Kurze Zwischenfrage: Eine Etage über uns spielen gerade die Grailnkights, erinnert ihr euch noch an die Show in Plettenberg zusammen mit den Knights und ihrem Battlechoir?
Joakim: Oh ja, Plettenberg!
Ich erinnere mich noch daran, dass ihr euch auch unbedingt einen anschaffen wolltet...
Joakim: Yeah, ein Battlechoir wäre genau das richtige für uns. Wir singen auch über Schlachten, zwar aus anderen Epochen, aber sowas wäre schon nicht schlecht.
Ein paar Fans haben sich gefragt, warum ihr heute eure letzte Show der Art of War-Tour in Deutschland spielt statt in eurer Heimat.
Joakim: Ja, das Noch Ein Bier-Festival war auch hier in der Ecke (Releaseshow der Art Of War, Amn.d.R.), da haben wir zusammen mit Custard, Bullet und Mystic Prophecy gespielt, das deutsche Publikum und besonders der Ruhrpott ist der Wahnsinn, und hier spricht man auch besseres Englisch verglichen mit dem Rest von Deutschland, besonders im Süd-Westen! (lacht)
Also wird's auch eine neue arschtretende Release-Party hier in der Gegend geben?
Joakim: Ne, das machen wir zu Hause, in unserer Heimatstadt.
Wird es wieder einen Wettbewerb geben, bei dem Themenvorschläge für's Neue Album gemacht werden können?
Joakim: Ja, aber ich würde es nicht Wettbewerb nennen. Die Fans mailen uns wenn sie zum Beispiel eine Schlacht kennen, von der wir noch nie was gehört haben – das kann eine super Inspiration für uns sein.
Und glaubt ihr nich, dass in zwei, drei oder zehn Alben keine Themen mehr übrig sein werden?
Joakim: Solange es Menschen gibt sind wir gut versorgt. Vielleicht müssen wir nur etwas weiter zurück schauen, ein paar hundert Jahre vielleicht..
Aber Krieg bleibt euer Oberthema?
Joakim: Ja, wir mögen sowas. Aber es würde mich nicht überraschen, wenn wir ein oder mehrere Alben rausbringen, die nicht von Krieg handeln. Aber das nächste Album wird sich definitiv an den altbekannten Themen orientieren, und Krieg bleibt unser Lieblingsthema.
Habt ihr Länder, in denen ihr besonders gerne spielt?
Joakim: Ah, die Frage ist immer schwierig.
Darum fragen wir ja.
Joakim: (Lacht) Wisst ihr, es geht ehrer um Regionen. Ich meine, über kleinen Länder kann man immer sagen "Das Land gefällt mir". Aber Deutschland... Deutschland ist riesig, hier leben verdammt viele Leute und jede Stadt und jedes Gebiet ist anders. Deutschland ist wirklich gut für uns, zum Beispiel Köln oder auch das ganze Ruhrgebiet und so weiter....
Nicht schlecht, wenige ausländische Künstler differenzieren in Deutschland so genau zwischen einzelnen Gebieten.
Joakim: Klar! Ich meine, wir haben grade 20 Shows in England gespielt und es ist was völlig anderes, wenn man in Schottland, in Newport oder in London spielt, das ist immer was Neues. Aber ich muss sagen: wenn ihr das verrückteste und abgefuckteste Publikum wollt, geht nach Sofia in Bulgarien, oder nach Israel... Wir haben nur ein mal in Tel Aviv gespielt, aber das war total abgefahren! Ich erinnere mich an eine durchgeknallte Nacht in Glasgow vor ein paar Jahren, wo der Pit so durchgedreht ist, dass tatsächlich Leute angefangen haben zu bluten. Die sind dann zur Bar gegangen und haben nach Eis gefragt, aber als dann die Doublebase wieder losgelegt hat haben diese Typen das Eis weggeschmissen und sind wieder in den Pit gesprungen! (lacht) Ich weiss nicht, aber ein wenig beängstigend war das schon.
Also sind die Konzerte in verschiedenen Ländern durchaus abwechslungsreich – worin unterscheiden sie sich zum Beispiel?
Joakim: Hmmm... wie sie zeigen, dass es ihnen gefällt. In manchen Ländern wird's nur zwischen den Songs laut. .
Pär: ...und wärend wir spielen stehen die nur da und gucken.
Joakim: Andere gehen fucking crowdsurfen – Wir haben auf dem Dong Open Air gespielt, und die wollten uns verdammt nochmal nicht von der Bühne lassen, bis wir noch einen Song gezockt haben. Ich hab dann gesagt "Ok,wir spielen noch einen So... Leute, ich rede gerade nur, warum zur Hölle surft ihr immernoch?!" (lacht)
Dann gibt es noch die total brutalen, das sind die Schotten...
Auf dem Sauerländer Metal Meeting irgendwann Ende 2008 habt ihr eine Show gezockt, wo sich Fans wärend der Show Nummern wünschen durften – war das geplant?
Joakim: Hmm, welche Show war das noch gleich...?
September 2008...?
Joakim: Ah ne, das war im Oktober! Also, irgendwie mögen wir es, das Publikum zu involvieren. Wenn wir einen ganzen Haufen Leute nach einem Song schreien hören, und wir diesen Song auch spielen können, dann geht es uns am Arsch vorbei ob die Nummer auf der Setlist draufsteht. Ihr wollt ihn hören? Ihr bekommt ihn. Es gibt aber auch mal Situationen, wo die Fans 'ne Nummer verlangen die wir seit 5 Jahren nicht mehr gespielt haben, da müssen wir dann natürlich leider sagen "Sorry, können wir nicht machen!"
Pär: Nun, das haben wir wohl schonmal gemacht. Da haben wir in einem kleinen Club in unserer Heimatstadt versucht, "Stalingrad" zu spielen.
Joakim: Hey, stimmt! Das hat sich scheisse angehört! (lacht)
Das war so schlimm, das Daniel, unser Drummer, damals hinter seinem Kit beim letzten Chorus eingeschlafen ist! (Imitiert den langsam wegnickenden Daniel zur allgemeinen Erheiterung aller Anwesenden)
Ihr habt ja einen ganzen Haufen Beck's hier, ist das euer Lieblingsbier aus Deutschland?
Joakim: Ne, Becks nicht. Es schmeckt OK, aber ehrlich gesagt gibt's viele Deutsche Biere, die mir besser schmecken – Warsteiner zum Beispiel schmeckt gut.
Pär: Mein Lieblingsbier kommt aus einer kleinen Brauerei aus Nürnberg. Ein Freund von mir wohnt da und er hat mir ein Bier namens (hier Name eines obskuren Underground-Gebräus einfügen) schmackhaft gemacht. Das ist nur eine kleine Brauerei, aber die machen mein absulutes Lieblingsbier. Ich glaube in dieser Stadt leben viele Stundenten, darum vielleicht auch der Name "Stadt des Bieres".
Joakim: Ich glaube die ganze Gegend heisst so, Bamberg, Nürnberg and Würzburg. Das ist ein schönes Fleckchen Erde.
Und was haltet ihr von eurem heimischen Bier?
Joakim: Schwedisches Bier schmeckt scheisse! Ehrlich, mein All-Time Favorit wird in Tschechien gebraut. Pilsner Urquell zum Beispiel. Und ich mag Guinnes. In England stolpert man geradezu darüber! Wir waren gerade einen Monat am Stück in England und es gab nur ganz wenige Tage, an dem ich nicht wenigstens ein Guinnes hatte!
Letzte Frage: was haltet ihr von Kutten? Ich glaube es gibt dieses Wort nur auf Deutsch, oder wie nennt man sowas bei euch?
Joakim: Ganz einfach Weste!
Alles klar... euer Kommentar?
Joakim: Die Dinger mit den ganzen Patches drauf find ich cool. Bei uns zu Hause tragen auch 'ne Menge leute die Dinger, aber anscheinend sind die hier in Deutschland viel verbreiteter.
Alles klar, das sollte es gewesen sein. Vielen Dank!
Joakim: Kein Thema, bis dann!












